Warum ich das Wort „App“ verachte

Heutzutage versucht jeder auf der hippen Welle mitzureiten. Auch auf der Desktopversion von Windows 8.1 öffnet man Dateien nun nicht mehr mit Programmen sondern mit „Apps“ [æp].Äppkackewindows

App ist die Kurzform für das englische Wort application, was schlicht Anwendung oder Programm heißt.[1] Warum also werden nun die im deutschen etablierte Wörter durch hippe englische Wörter ersetzt?

Die Gründe, warum nun, da Rechner immer kleiner und portabler werden, Programme nicht mehr als das bezeichnet was sie sind sondern als „Apps” sind wahrscheinlich folgende:

  • Bezugswege der Anwendungen: Unter Googles Betriebssystem Android sowie Apples iOS werden Programme nicht mehr, wie die meisten Nutzer es von Windows gewohnt sind, mühselig im Internet gesucht und dann aus dubiosen Quellen heruntergeladen um den Programmen abschließend !Adminrechte! zu geben um sich selbst zu installieren. Anstatt dessen greift man auf das von UNIX und GNU/Linux bewährte Prinzip der Paketverwaltung↗ zurück. Dieses Prinzip, Software von vertrauenswürdigen Quellen zu beziehen, sowie automatische Updates für alle Komponenten des Systems zu erhalten wird mit der neuen Generation dieser Betriebssysteme benutzt, allerdings in verstümmeltee Form und anschließend hipp und augenscheinlich als besonders innovativ als “App Store” oder “Google Play” vermarktet. Das Prinzip ist alt, es gibt also keinen Grund eine Anwendung weil sie über eine Paketverwaltung bezogen wird als „App“ zu bezeichnen.
  • Funktionalität: Programme für mobile Endgeräte hatten oft, aufgrund der beschränkten Ressourcen von mobilen Endsystemen beschränkte Funktionalität. Dieses Kriterium ist angesichts von Vierkernprozessoren mit Taktraten von 2 Ghz, Arbeitsspeichern von 2 GiB und Intels Offensive in den mobilen Markt (Intels x86 ist effektiver als ARM) nichtig. Außerdem wäre niemand je auf die Idee gekommen, im Deutschen Programme, die auf einem alten Nokiahandy laufen, als “Apps” zu bezeichnen.
  • Benutzeroberfläche: Mobile Endgeräte werden meist ausschließlich mittel berührungsempfindlicher Bildschirme bedient. Solche Bildschirme gibt es seit über 30 Jahren (wenn sie auch erst seit 10 Jahren populär sind). Aber kam irgendjemand beim Populärwerden der Maus als Eingabegerät auf die Idee Programme anders zu nennen?
  • Kürze: Der Name wird von manchen vielleicht aufgrund seiner Kürze als Verkleinerungsform gesehen und eben deshalb weil Programme für mobile Systeme oft in ihrer Funktion beschränkt sind als logische Bezeichnung. Dies ist nicht der Fall. Die Verkleinerungsform von „application“, „app“, also zu Deutsch „Progrämmchen“, ist applet.

Egal ob Desktop- oder mobiler Rechner. Ich benutze weiterhin Programme und das Wort „app“ spare ich mir für englische Konversationen auf, denn da gehört es hin.

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